AHK Peru

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts unterscheidet sich Peru von den anderen lateinamerikanischen Ländern durch einen soliden makroökonomischen Rahmen, eine strikte Steuerpolitik und die Aussicht auf eine starke Entwicklung des wirtschaftlichen Potenzials. Während der letzten 100 Jahre wurde eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung beobachtet, die manchmal das Spiegelbild der Volkswirtschaften und Gesellschaften der lateinamerikanischen Nachbarstaaten sowie anderer Entwicklungsländer war. In anderen Fällen zeigte sich ein starker Kontrast zu den regionalen und internationalen Tendenzen. Trotz seines Erbes an natürlichen Ressourcen und der Fähigkeiten seiner Einwohner hat Peru nach dem Krieg praktisch keine Möglichkeit gehabt, diese Faktoren auf eine produktive und progressive Art und Weise zusammenzubringen. Militärische Interventionen, sowohl vom rechten als auch vom linken Spektrum, sowie der unglückliche Populismus haben die Geschichte Perus durch die ersten neun Jahrzehnte des Jahrhunderts hindurch verfolgt.
Zu Beginn der 90er Jahre vollzog sich ein großer Bruch im Zyklus der peruanischen Geschichte; während dieses Zeitraums wurden die Grundlagen für die Wirtschaft geschaffen, der innere und äußere Friede in die Tat umgesetzt und im Jahr 2001 die Demokratie zurückerlangt. Die neue Regierung von Dr. Alejandro Toledo begann eine neue Etappe, die auf die Reduzierung der Armut durch die Schaffung von Arbeit setzt.
Die peruanischen Kapitalmärkte sind gut reguliert; ihre weitere positive Entwicklung wurde in den letzten Jahren eher durch die allgemeine Situation der entstehenden Märkte als durch eigene Fehler oder Schwäche behindert. Die Märkte sind relativ klein und unterentwickelt, sowohl nach den internationalen als auch nach den lateinamerikanischen Normen, da hier nicht die Tiefe und das Ausmaß beispielsweise Brasiliens oder Mexikos erreicht wird. Die internationalen Finanzprobleme aus Asien, Russland und Brasilien traten ausgerechnet zu dem Zeitpunkt auf, als Peru damit begonnen hatte, eine Reihe von Neuerungen in den Kapitalmärkten umzusetzen. Mit der Schaffung eines wichtigen nationalen Industriezweigs, der Fonds und Renten, traf man Vorbereitungen für eine neue Expansions- und Innovationsphase, während sich die internationalen Bedingungen und Märkte stabilisierten. Die peruanischen Kapitalmärkte haben so eine solide Ausgangsposition für das 21. Jahrhundert.
Das Gesetz über Aktienmärkte vom Dezember 1996 ist die Grundlage für die Schaffung von modernen und effizienten Kapitalmärkten. Das Gesetz stellt Prinzipien der Transparenz für den Markt sowie Regeln auf, die Emissionen von Wertpapieren, Wertpapiere an sich, Handelssysteme, Aktienmärkte, Zwischenhändler, Investmentfonds, Risikokapitalgesellschaften und von Assets gestützte Wertpapiere regeln. Das Gesetz hat die alten Regeln und Anforderungen zusammengefasst und vereinfacht.
Der Aktienmarkt
Die Geschichte der Aktienbörse von Lima geht auf das Jahr 1860 zurück, obwohl der aktive Handel tatsächlich nicht vor Ende des 19. Jahrhunderts in Gang kam, als der Name der Aktienbörse in "Bolsa Comercial de Lima" geändert wurde. Die Schwankungen der Zwischenkriegszeit führten zu einer weiteren Restrukturierung und zur Schaffung der "Bolsa de Comercio de Lima" im Jahr 1951. Diese wurde 1971 durch die jetzige "Bolsa de Valores de Lima" (BVL) ersetzt. Seit 1991 wird die Börse nicht mehr von der Regierung betrieben, sondern von einem gemeinnützigen Verein. Im Mai 1998 verlieh die US-amerikanische Börsenaufsichtsbehörde (US Securities and Exchange Commission) der BVL den Status "Designated Offshore Securities Market".
Die Leitung der Börse hat das Ziel, sie in der Zukunft in eine GmbH umzuwandeln; dabei soll ein größerer Schwerpunkt auf Effizienz, Kosteneinsparungen und Innovation des Marktes liegen. Die Entwicklungen des Informationsgeschäfts haben ihr Potenzial bei der Erweiterung der Dienstleistungen schon gezeigt. Seit 1998 wurde dieser Bereich weiterentwickelt, bis er ca. 15% der Einkünfte ausmachte. Zu Beginn des Jahres 1999 wartete die Börse auf eine formale Zulassung durch die Regulierungsbehörde CONASEV (Comisión Nacional Supervisora de Empresas y Valores) bezüglich eines neuen Regulierungsstatus, unter dem sie zu einer selbst-regulierenden Entität würde. Mit diesem Status überwacht und, falls notwendig, bestraft der Aktienmarkt die Mitglieder sowie das Verhalten der Emittenten.
Die Kapitalisierung des Marktes, die während der Regierung García schwach war, verringerte sich bis 1988 auf nur 57 Millionen Dollar. 1991 wurde mit der Annahme des Gesetzes über Aktienmärkte dem Markt neues Leben eingehaucht. Nach der Einführung dieses Gesetzes und als Reaktion auf die geschäftsfreundlichen Politiken sowie der bedeutenden politischen Stabilisierung war ein schnelles Wachstum zu verzeichnen. Die Kapitalisierung stieg um ein Zehnfaches ihres Werts von 812,2 Millionen US-Dollar im Jahr 1990 auf 82 Milliarden US-Dollar im Jahr 1994. Zu Beginn des Jahres 1996 hatte sie fast 11 Milliarden US-Dollar erreicht, was nicht nur einen Anstieg der Aktienpreise, sondern auch Neuemissionen und den Eintritt vieler Privatunternehmen in den Aktienmarkt widerspiegelt. Die Kapitalisierung des Marktes stieg um 25% im Jahr 1997 und ihr Höchstwert überstieg 17 Milliarden US-Dollar; danach sank sie 1998 wieder auf 11 Milliarden US-Dollar aufgrund der weltwirtschaftlichen Probleme.


